GESA WILL

 

Texte

"Schönheit ist schwer zu fassen"

Ein Gespräch der Künstlerin mit Bernd Zachow anlässlich ihrer Ausstellung "Wie schön!" in der Diakonie Bayern in Nürnberg

 

"Ein außerordentlich positives Menschenbild vermitteln die Porträt-Malereien von Gesa Will, die derzeit in der Zentrale der Diakonie Bayern ausgestellt sind ... "
Zum PDF mit dem vollständigen Artikel von Bernd Zachow in den Nürnberger Nachrichten vom 03.09.2019 bitte hier klicken:

 

 

Die unverlierbare Heimat
Gesa Wills poetische Kindheitsgeschichte
"Olas Himmel"

 

Vom nördlichsten Norddeutschland nach Nürnberg führt eine kunstvoll komponierte Kindheitsgeschichte, welche die in Franken lebende Malerin und Schriftstellerin Gesa Will in ihrem jüngsten Buch erzählt.(...)
"Olas Himmel" trägt zweifellos autobiografische Züge, aber es handelt sich erklärtermaßen nicht um eine Autobiografie. Auch wenn Will in das Buch die ein oder andere Information aus den 192 erhaltenen Feldpost-Briefen des Vaters und aus der Ortschronik ihres norddeutschen Geburts-Dorfes eingearbeitet hat, dient ihr das Zeitgeschichtliche nur als Hintergrund für das poetische Ganze.

Tatsächlich erweisen sich Gesa Wills literarische Bilder einer Kindheit vor allem als ein wunderbar farbiges, atmosphärisch dichtes Wort-Gewebe, als eine Folge von so exakten wie sensiblen Beschreibungen einprägsamer Figuren und Szenen. All das ergibt ein schmales, bescheiden aufgemachtes Bändchen, ein flexibel zusammengeklebtes Taschenbuch, das jedoch eine kleine Kostbarkeit enthält.

Bernd Zachow

Nürnberger Nachrichten

 

 

Aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung GRASLAND

Kunstforum Karlshof, Ellingen am 2. September 2012

 

Das Zentrale an Gesa Wills Arbeiten ist der faszinierende Umgang mit Licht.(...)
Voran gegangen ist eine präzise, sensible Naturbeobachtung, genaues Sehen und die meisterhafte Umsetzung der Gegenstände in ihrer Stilllebenmalerei. Dennoch hat die Künstlerin nie ihre zweifelsohne in hohem Maß vorhandene handwerkliche Meisterschaft zum eigentlichen Bild-Thema erhoben. Gesa Will sagt: "Es geht mir darum, die Dinge ins Licht zu rücken, zu warten und zu lauschen, was sie erzählen ohne zu urteilen und nur das wiederzugeben, was ich sehe."

Christiane Lischka-Seitz, Kunsthistorikerin

 

Aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung AUWALD
Galerie in der Foerstermühle, Fürth am 23. Juli 2011

 

Wenn man die Bilder von Gesa Will anschaut – ganz gleich, aus welcher Zeit -, so gibt es immer eine Ebene, auf der sie einfach die reine Freude sind.
Auf der sie einen arglosen Betrachter mit etwas verbinden, das man in seinem täglichen Leben als Städtebewohner zu leicht verloren gibt: eine zwanglose, eine ungezwungene Verbindung mit der Essenz von Natur.
Gesa Will malt oder zeichnet kleine Szenen, die der Betrachter sich selbst erzählen kann, wozu er aber vor ihren Werken verweilen muss, einfach geben sie sich nicht her. Sie malt oder zeichnet Ausschnitte, denen man die Welt wieder hinzufügen will, was man sieht, ist immer dieses kleine Bisschen zu wenig, das die eigene Fantasie herausfordert. Ihre Zeichnungen wollen den Bildrand sprengen, einen darüber hinaus locken, weitertreiben, man kann und muss sich immer wieder neu entscheiden, was in ihren Zeichnungen man für vordringlich hält, das, was sich heraushebt oder das, was sich zart und verschlungen darum herum rankt. Und sie nimmt einem auch diese Anstrengung nicht ab. Hinter den präzisen, detailgenauen und verdichteten Konstruktionen lauert ein Ungestüm auf den richtigen Augenblick um loszubrechen, aber dieser Sturm, der sich in der Ruhe der Konzentration der Zeichnungen ankündigt, bleibt dem Auge des Betrachters überlassen – das ist schön. Das ist auch zuweilen etwas unheimlich, aufgeladen wie die Luft vor einem Gewitter. Ich habe an anderer Stelle jemanden sehr treffend über Gesa Wills Bilder sagen hören, sie setze "Glücksdolche". Das Glück besteht für mich in der reinen, wertungslosen Betrachtung, der Dolch – bei dem man immer die Wahl hat, ob man ihn sehen will oder nicht – in der drängenden Aufforderung, seinen eigenen Ort in diesen Zeichnungen zu bestimmen.

Dr. Susanne Winnacker

Rektorin der Hochschule für Musik und Theater, Rostock

 

 

Aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung

goldglänzendglasklar

Kreisgalerie Mellrichstadt am 21. Oktober 2007

 

Gesa Will bezeichnet sich als realistische Malerin, ihre Malweise ist klassisch akademisch geprägt, ihr Lieblingsmalmittel ist Öl. Die Bilder dieser Ausstellung sind in dieser Technik ausgeführt, Öl auf Leinwand.
Begonnen hat sie als Pleinair-Malerin, daher stammen aus ihrer norddeutschen Heimat hauptsächlich die großen Wolkenbilder, die Ansichten von der Ostseeküste, aber auch Portraits, Bilder von den Menschen in dieser Landschaft. Sie wechselt in größeren Abständen ihre Sujets, arbeitet intensiv an den gewählten Themen und baut sie zu Serien aus. Die Serie von Stillleben, die wir heute sehen, ist im Atelier während der letzten etwa eineinhalb Jahre entstanden.
Der Mensch ist abwesend in diesen Stillleben, die Landschaft nicht Gegenstand. Nicht das große Drama wird aufgezogen, sondern das intimere Kammerspiel, und hier werden die Rollen neu verteilt: Ein neuer Hauptakteur tritt in den Vordergrund, nämlich das Licht, denn der Lichtführung, der Lichtregie kommt hier tragende Bedeutung zu. "Jedem Ding seine eigene Leuchtkraft geben", wie Gesa Will dazu sagt.

Rainer Kradisch, Fotograf

 

 

Aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung
WAS IST MIT DEM HIMMEL UND DEM MEER?
Bürgerhaus Gräfelfing am 11. Juli 2001

 

Der Titel dieser Ausstellung klingt ein bisschen wie die Frage eines trotzig-neugierigen Kindes nach dem Wesentlichsten, dem Natürlichsten von der Welt.
Gesa Will ist ein Landkind. Sie ist aufgewachsen mit der norddeutschen Landschaft am Meer, mit dem Licht dort, dem Himmel als einer ständig in Bewegung befindlichen Wolkenlandschaft. Diese aufrichtige und tief sitzende Liebe zum Land merkt man ihren Bildern meines Erachtens deutlich an. Ich denke auch, dass Gesa Wills Persönlichkeit der Kindheit dort wichtige Grundzüge verdankt. Das handfeste Leben auf den Dörfern und Höfen hat sie mit geprägt, die Menschen mit Herzensbildung und "common sense" – was mit "gesundem Menschenverstand" nur unbeholfen umschrieben ist und auch den Sinn für das allen Gemeinsame, den Gemeinsinn, den Sinn für das Einfache und Schlichte, damit aber auch für das wahrhaft Große meint. Den Sinn für das Natürliche, den Blick für das Wesentliche.
In letzter Zeit hat sich Gesa Will in ihren Landschaftsbildern noch weiter entwickelt. Da gibt es Bilder von Steinbrocken und Felstrümmern am Meer, Bilder von Wolkenhaufen und Wasserflächen, die so elementar und fremdartig zugleich vor uns liegen, als wären es symbolische, zeichenhafte Landschaften, wo Erstarrung und Auflösung zusammenkommen, Lichthelle und Dunkelheit, Stillstand und Bewegung, feste Form und das spurlose Zerfließen ins Nichts.

Dr. Helmut Haberkamm, Schriftsteller

 

 

Aus der Eröffnungsrede anlässlich der Vernissage im Hotel am Forum, Fürth, am 7. November 1999

 

Die Bilder der Malerin Gesa Will vertreten einen relativ jungen Zweig der Malerei. Pleinair-Malerei, unter freiem Himmel also, Aug' in Auge mit der Natur – das war bis ins vorige Jahrhundert absolut unüblich in der abendländischen Kunst. (...)
Gesa Wills Arbeiten sind Abbilder unserer Zeit. Jedoch nicht in der Weise, dass sie Dinge des modernen Lebens zeigen: Flugzeuge, Computer, Hochhäuser ... Sie zeigen im Gegenteil Dinge, die uns viel länger vertraut sind: Häuser, Bäume, Felder.
Nach meinen Gesprächen mit der Künstlerin zur Vorbereitung dieser Ausstellung , hatte ich den Eindruck, dass sie jedoch noch etwas anderes als das auf den ersten Blick Sichtbare zu transportieren scheinen: Sie bilden Zeit und Licht ab. Licht, das erst durch das Auftreffen auf einen Köper sichtbar wird und wahrgenommen durch das Medium des Auges, des Gehirns der Künstlerin, um auf dem Papier Gestalt zu werden.
Und Zeit, die in der Darstellung einer bestimmten Lichtsituation am frühen Morgen, am späten Abend oder in der Stunde des Pan, in der Mittagsglut, gefangen ist. Graue Winterlandschaften mit feinen Abstufungen der Farbtöne hängen neben leuchtenden Landschaftsstudien, in denen Licht und Schatten großzügig Wege und Bäume überziehen.
Diese Arbeiten sind ein Stundenbuch der Landschaft, wo diese auch gesehen wurde, ob in Franken oder Ligurien. (...)

Gesa Will arbeitet mit Pastellkreiden.
Diese, im Pastellstift locker gebundenen Pigmente, sind ein sehr heikles Material. Es lässt sich auf das Papier auftragen und haftet auf dessen rauher Oberfläche ähnlich wie die zarten Schuppen auf den Flügeln des Schmetterlings. Und es bekommt, genau wie diese, durch die vielen einzelstehenden Pigmentstäbchen seine leuchtende Wirkung. Ein Material, wie geschaffen für die Darstellung des Lichts und ein Material, das hohe Erfahrung und Sensibilität verlangt. Denn zu leicht wird es bei unsachgemäßer Anwendung stumpf und verschmiert. Es ist ein sensibler Prozess, wenn die Farben der Pastellstifte so aufgetragen werden, dass die darunterliegenden Schichten noch durchschimmern. Feine Schraffuren überlagern sich, und die verschiedenfarbigen Pigmente bilden eine flimmernde Oberfläche. Diese Bilder möchten sowohl aus der Nähe wie aus der Entfernung betrachtet werden.
Erlauben Sie mir zum Schluss wieder einen kurzen Ausflug in die Kunstgeschichte. Die abendländische Malerei kennt viele Meister, die den Umgang mit Ölfarbe, Acryl oder Tempera perfekt beherrschen. Aber nur sehr wenige von ihnen brachten es auch in der Pastellmalerei zu Meisterschaft. Das sollten Sie wissen, wenn Sie die Arbeiten von Gesa Will ansehen.

Klaus D. Engelke

 

 

 

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